Warum eigentlich (nicht)?

Warum läuft in diesen DIY Videos immer diese Art von Musik, die auch in einem schwedischen Kindergarten ziemlich gut ankommen würde? Warum klicken Menschen immer noch auf Heftig.co Nachrichten und warum haben Pärchen Pärchenprofilbilder? Warum tun immer alle so, als hätten sie nicht mit dem Winter gerechnet und warum ist der erste Schnee überhaupt nie so romantisch wie in den Filmen?

Warum kommt der DHL Bote immer, wenn keiner da ist, wenn doch einer da ist, aber das bin nur ich, im Bett, ohne Hose, Make-Up von gestern, Samstagmorgen neun Uhr? Warum trinkt man doch immer Bier auf Wein und Wein auf Schnaps und drei Kurze und ein Gläschen davon bitteschön, obwohl man doch weiß, also man weiß doch nun wirklich, also, Prost. Warum desinfiziert Alkohol fast alles, aber die Gefühle nicht? Warum ist über die Liebe zu schreiben immer so schwierig und nur ein bisschen leichter, wenn man traurig ist? Warum hört man meistens nicht auf, wenn es am Schönsten ist, sondern wenn es am Schlimmsten ist? Und warum geht man doch noch mal in diesen Imbiss, obwohl einem schon nach den ersten drei Malen nachher irgendwie gar nicht gut war? Warum denkt man immer noch, dass sich etwas wirklich Grundlegendes ändern würde, wenn man dünner, faltenfreier oder größer wäre? Warum schminkt man sich die Augenringe weg, die roten Flecken, den kleinen Mund, warum sagt man nicht einfach: Ich und die Nacht, wir haben halt mal wieder zu lange rumgemacht. Warum küsst man nicht einfach immer, wenn es sich danach anfühlt, warum geht man zum Bikram-Yoga, wenn man auch tanzen gehen kann, warum lässt man nicht los, was schon losgelassen hat, dich hat es losgelassen, einfach schnippschnapp, Hand ab, und du stehst da immer noch wie so ein Idiot, das Herz in der anderen Hand, die Augen ganz rot, und suchst, was du schon verloren hast, du erinnerst dich: schnippschnapp. Warum isst man nicht einfach immer, worauf man gerade Hunger hat, warum bin ich eigentlich von nichts und niemandem je satt? Warum ist da immer so viel Langeweile und so viel Getriebenheit, warum ist da immer nur-mal-eben-schnell und keine Zeit? Warum kriege ich manchmal keine Luft, warum höre ich das Klopfen ständig in meiner Brust, warum gehen meistens die, die bleiben sollten, warum kommen alle wieder, aber an ganz andere Orte, warum mögen Menschen Weihnachtsmärkte, warum sind nicht alle Wege Fährten, warum ist alles ganz in Ordnung und trotzdem durcheinander, wann ist das eigentlich passiert, dass das so war, Ordnung im Außen und Chaos im Innen, draußen alles Theorie und langsam laufen, drinnen alles rennen und in Gedanken ersaufen. Wann ist das eigentlich passiert, dass ich so wenig von dem verstehe, was um mich geschieht, wann ist das passiert, dass nur noch Zähnezusammenbeißen und durchhalten funktioniert, wann hört das auf und muss ich dafür was machen, und wenn das alles so sein muss: kann ich wenigstens mal darüber lachen? Warum scheint sich mein Leben manchmal nach dem Akustand meines Telefons zu richten, warum ist home where your Router is plötzlich okay, warum ist dein Zuhause nicht fest in dich eingebaut, ganz egal, wo du hingehst, ganz egal, wie es läuft: sei doch wenigstens dir selber vertraut. Warum verläuft man sich so schnell in Menschen, warum gibt es kein Navi für Gefühle und Grenzen, warum will ich immer da anfangen, wo es am Schönsten ist, warum ist meine Haut aus Knallpapier und Nerven-Enden, aus Wind- und Sturmwänden? Warum beantwortet kein Wort all das so sehr, so absolut und gut, wie es eine laue Nacht, wie es Knallfrösche und Küsse und keine-Angst-vor-gar-nichts und wie wir es tun? Und warum kommt das Gute zum Schluss und stimmt das überhaupt, ist es nicht so, dass alles richtig gute auch gut beginnt und das Ende erst alles versaut? Warum also nicht einfach zwo, eins, Risiko und immer all-in, warum nicht einfach alles auf rot, alles gewinnen, alles verlieren, warum nicht Russisches Roulett und mit dem Rücken zur Wand, das Herz auf maximale Lautstärke und lieber jetzt, genau jetzt, als irgendwann.

Ein Gedanke zu „Warum eigentlich (nicht)?

  1. Pingback: Netzlektüre – 01.07.2015 | SUBtastisch

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