Du und dein dummes Großstadtmärchen.

Was da vor allem war: So viel mehr Himmel. Dass das nicht bleibt war der Preis. Für wenig Himmel und viel Stadt. Für Schnelligkeit und aufgeschürfte Lippen und das bisschen Stolz zwischen Schnaps und Kippen.

Die Kleinstadt ist dir vor allem immer eines gewesen: ein Käfig aus Lethargie und Warterei, ein Zustand zwischen deiner großen Verwirrung und dem Wesen, das dich daraus befreit.

Du hast geglaubt: Die große Stadt kann heilen, was du im Anhang mit dir trägst, Betreff: Ich will Reize, ich will fühlen. CC: Lass mich brennen, lass mich verdammte scheiße verglühen. Anhang: Angst.jpg, dumitvierzehn.gif

Jetzt stehst du da und hast dich selber abgeschickt, hast dich reisen lassen, viel zu viel gesehen und viel zu viel gehört, hast viel zu oft Nein gesagt und viel zu wenig abgenickt, hast dir die Finger verbrannt und die Lippen gleich mit, hast dich gewehrt und um dich geschlagen, hast alles gewagt, hast gar nichts verstanden, hast dein Herz in menschliche Mülltonen geworfen, hast es wieder sauber gemacht und gesehen: so viel kann also passieren, so viele Tritte, so viele Fehler und Irrungen, aber am Ende schafft keiner (außer einer, außer einer) – wegwerfen ja, brechen nein.

Und vielleicht kannst du manchmal nicht atmen, kriegst keine Luft und dein Kopf ist aus Konfetti aus Blei, vielleicht ist da drin ein böser Vogel, vielleicht auch nur die immer gleiche Litanei: Es ist ja so schwierig, du zu sein, es ist ja so unerträglich, so viel zu haben, es ist ja nicht zum aushalten, dieses Leben, die falschen Antworten, die immer gleichen Fragen.

Vielleicht stehst du dann irgendwann an dieser Straßenkreuzung und denkst an dein Ich zurück, das wollte doch Reize, das wollte doch fühlen, das wollte doch brennen, das wollte doch stürzen, das wollte doch weg, das wollte doch atmen, das wollte doch den Beat auf dem Hamburger Berg, das Trinken, das Feiern, das Vögeln, das Arbeiten, das Küssen, das Lieben, das Scheitern, das Tanzen, das Vermissen. Und vielleicht kriegst du keine Wundsalbe für das Brennen in der Brust, vielleicht ist deine einzige Medizin ein Lachen morgens auf dem Weg nach Hause, hier hast du ein bisschen Schnaps, der betäubt und ein Kopfsteinpflaster für dein aufgeschürftes Knie.

Vielleicht siehst du dann, dass alles seinen Preis hat, so banal, so einfach, so Beton und Großstadt, so profan und so groß statt Kleinstadt. Dann lächele mal, du armes Wesen, schau auf deine Füße, auf den Footer unter dir – in deiner Signatur steht noch immer: Atmen kann ich überall, aber jetzt bin ich nun mal genau hier.

Ein Gedanke zu „Du und dein dummes Großstadtmärchen.

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