Tetris für immer

Heute:
Da ist gerade Tetris in mir – bloß fallen die Steine nicht vom Himmel, sondern wandern durch den Hypothalamus. Geschwindigkeit. Schnell. Schwierigkeitsstufe: Schwer. Erster Versuch: Gescheitert. Zweiter Versuch: Ein bisschen durchgehalten. Dritter Versuch: Ich bin ja schon dabei.

Alle Steine sind aus Augenblicken und Momentaufnahmen, klick, klick, klick, und schon bewegen sie sich durch den Kopf, eine Nacht besteht aus achtzehn Steinen, einmal endlich schlafen können, einmal endlich heulen können: zwei Reihen weniger.

Gestern
„Ein Resonanzkörper ist ein schwingfähiges System. Eigentlich ist er hohl, aber man kann seinen Klang verändern, indem man an seiner Beschaffenheit, Größe oder an seinem Inneren etwas ändert, etwas verschiebt.“ sage ich zu dem Taxi-Fahrer, der nickt und fragt: „Darf ich das Fenster öffnen?“

Morgen
Wenn in meinem Kopf Tetris ist und sich alles ständig verschiebt, dann klinge ich immer anders, nähme ich an, mein Kopf sei auch ein Resonanzkörper (was er ist) und Tetris sei eine gute Metapher für fast alles (was es ist) und man müsste die Logik eben dieser am Ende eines Textes noch einmal erklären (was es nicht ist). Ich schreie den Taxi-Fahrer an und falle auf fremde Münder, ich zerre an den Reihen, drücke panisch Knöpfe, komm schon, Leben, komm schon, gib mir die richtigen Steine.

Ich tanze zu Metaphern, ich schreie Geschichten, ich schreibe mir die Seele aus dem Leib (Anm. der Redaktion: Seele ist eine Metapher). Herauszufinden, was in was passt und wer zu wem, welches Leben in welches Loch und welche Idee zu welchem Tag – das ist Tetris für immer. Reihen lösen sich nicht durch Geschrei, Reihen lösen sich durch Ruhe und Logik, durch Atmen und Schlaf. Dazwischen passt kein Haar, kein noch so gutgemeinter Rat.

Irgendwann
… entdecke ich, an einem Tag im Mai: wenn die Batterien leer sind, ist es trotzdem vorbei.

Ein Gedanke zu „Tetris für immer

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