Das Monster und ich

Ich rauche zitternd (immer, immer), aber heute, weil ich ein bisschen aufgeregt bin, ein bisschen nervös auch, ein guter Moment, vielleicht ist da Stolz, vielleicht Erleichterung: Es ist vorbei.

GESCHAFFT! 10.08. bei Luchterhand – »MORGEN IST ES VORBEI«. Boom. 💪🏻

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2 Jahre habe ich daran geschrieben. Eigentlich 3, aber das ist eine andere Geschichte. Diese 2 Jahre waren schrecklich schön, ein bisschen brutal, ein bisschen viel, ein bisschen alles. Jahre, in denen ich gestolpert und getaumelt bin und alles aufgeschrieben habe, jeden Moment, jeden Augenblick. Nachts um vier und morgens um 6, wenn ich wieder nicht schlafen konnte. Ich würde gerne sagen, dass das Schreiben mir Erleichterung ist, mich befreit, mich leichter macht. Aber nach all den Jahren, nach den Büchern und Wettbewerben und Kämpfen – nein, das Schreiben ist mir schon immer eine Kreatur gewesen, eine gute, eine böse, das Ding, das ich erschuf. Mal beschützt es mich, mal zerreißt es mich, um mich später wieder zusammenzuflicken, ein Versprechen in den Klauen: Das ist schon alles richtig so.

Ich weiß nicht, wie andere „Autoren“ das so machen, manchmal höre ich sie sagen, sie säßen jeden Tag an ihren Büchern und „Dann habe ich geweint, als mein Protagonist starb, so traurig!11!11!1! Leute, echt jetzt.“ und ich, ich lächle dann müde, weil diese Geschichten und Worte, selbst dieses Blog, selbst Twitter und Instagram, das alles ist nur der Versuch, etwas zu beschreiben, das mir immerzu entgleitet, mir, die davor steht und das alles nicht begreift, nachts „könnte Quantenphysik meine Blödheit erklären“ googlet und hofft, dass niemals jemand sieht, was ich sonst noch so in das Suchfeld tippe. Weil mir alles (alles!), selbst das kleinste bisschen menschliche Interaktion höchst kompliziert erscheint und alle Worte, alle Bilder und alles Getippte sind nur ein Versuch, ein Experiment auf Lebenszeit, zwei Probanden: Das Leben und ich.

Morgen ist es vorbei – das war für mich immer Hoffnung und Rettung, Angst und Vermutung. So viele Tage und Nächte, in denen ich eben jenes hoffte. Und noch mehr, in denen ich Angst hatte, es könnte genau so sein.

Deshalb ist „MORGEN IST ES VORBEI“ kein Buch über Liebeskummer oder das Scheitern an der Liebe – sondern der Versuch einer Umschreibung, das Festhalten von Angst, Hoffnung, Ekel, Verachtung, Zweifel, Liebe, Kummer, Freude. Es ist das ewige Umschreiben der Dinge, die mir unbegreiflich schienen (und es noch sind), die Menschen, die Orte, die Stadt, Körper und Verbindungen. Am Ende ist es vermutlich das persönlichste Buch, das ich je schrieb und schreiben werde, so, wie diese Zeilen höchst persönlich sind.

Das Schreiben hat mir immer Angst gemacht, es ist keine Aufgabe für mich, kein Handwerk, keine Philosophie; das Schreiben war für mich immer nur Versuch und Scheitern, Zwang und Neurose, Liebschaft und Monster. Das Schreiben ist wie ein kleiner Homunkulus, den ich nicht loswerden kann, er sitzt in mir drin und macht einfach, nicht jeden Tag vier Stunden, manchmal monatelang sogar gar nicht. Aber wenn, dann schreibt er auf, was er will, das kleine Monster, und schreibt und schreit und dann ist es vorbei.

Er wird mich überleben, er wird weitermachen, das ist erschreckend sicher. Vielleicht höre ich zu, vielleicht lasse ich ihn machen. Und hier seine Musik, das, was ihn die letzten zwei Jahre begleitet hat, der Soundtrack zu Morgen ist es vorbei.

MORGEN IST ES VORBEI | 10.08.2015 | Luchterhand