Oh Boy

Oh Boy, ich verstehe dich ja. Verloren bist du, sagst du, meinst du, verloren zwischen Nächten und der Nächsten, die auch nicht verspricht, was sie wieder nicht hält. Oh Boy, ich verstehe dich ja, die Mädchen, der Schnaps, die Angst, die Lust, die Musik, die immer alles besser macht als es ist, Samstagmorgen, Sonnenaufgang, nur du, deine schweren Füße und der Kopf, der noch will, während der Körper sich schleppt und sehnt, komm, oh Boy, geh nach Hause, hier ist das Ende.

Oh Boy, ich glaube dir ja die Blicke und das Wollen, ich glaube dir ja das nicht-können und das aber alles haben wollen. Ich glaube mit dir an deine Geister und Dämonen, an Heleos, Pathos und Phobos, an den Chor, der dich beklagt, ich glaube dir ja den Schmerz und deine kleinen Wunden, ich glaube dir ja, dass du nicht mehr weißt wohin, deine Tränen schmecken wie der Schweiß auf fremder Haut, dein Schluchzen wie das Stöhnen irgendeiner Frau.

Oh Boy, ich weiß, du willst weg und du weißt nicht wohin. Ich weiß, du willst rennen und fällst immer hin. Ich weiß, du hasst den Regen und die Sonne und den Tag und diese scheiß Nächte. Ich weiß, du hasst das Rauchen, das Zeug und den Schnaps, ich weiß, du kannst trotzdem nicht anders, auf den Wahnsinn, auf die Nacht. Oh Boy, ich weiß, du willst Ruhe und endlich mal schlafen, ich weiß, du weißt nicht, dich reißt es, du scheißt drauf. Ich weiß, du willst lieben und weißt nicht wen. Ich weiß, du willst schlagen und weißt nicht wohin. Ich weiß, du willst trösten und weißt nicht wie. Ich weiß von deiner Trauer und von deiner Lethargie, ich weiß, du meinst das nicht so, wenn du sagst, geh.

Oh Boy, du hast es nicht leicht, ich sehe das schon. Du kämpfst mit deinen Schatten und verlierst beim Versteckenspielen, alle Mauern zu hoch, keine um dich herum groß und stark genug, alle Wege aus Zweifeln, ach, zum Teufel mit all diesen Möglichkeiten. Oh Boy, ich sehe dein Leid und deine Klagen, ich sehe deine Monster und dein schlechtes Benehmen, deine Entschuldigungen, deine Verbrechen und dabei niemals jemand anderem vergeben. Ich sehe, dass du nach mir greifst und nicht zupacken kannst, du siehst, wie ich mich umdrehe und im Gehen ein bisschen lache. Oh Boy, ich verstehe dich da, ich sehe dich ja, ich weiß ja, wie es ist, so zu sein wie du. Aber, oh Boy, wie du zu sein ist immer zu viel zu wenig und niemals, wirklich niemals genug.

Tittel- & Beitragsbild: Matthew Kosloski