Damals, als wir Fangen spielten, gab es diesen sicheren Ort. Bei manchen hieß er Clippo, bei uns „hoch“. Was „hoch“ war, war sicher. Was „hoch“ war, war einen Moment Luft holen und kurz einfach mal zugucken. Hoch oben sein eben.

Ein Test mit 3 Fragen ist so leicht zu durchschauen, dass man ihn nicht Test sondern Anklicken nennen sollte. Habe ich ein Alkoholproblem? Wie verliebt ist er in mich? Bin ich Burnout-gefährdet? Welcher Typ Frau bist du? Wenn man zu schnell klickt: ist die Antwort dann nur jene, die man sich sowieso am liebsten vormacht? Wenn man länger überlegt: Ist die Antwort dann wahrer? Und welches Ich ist die Wahrheit: das, was diesen Test ausfüllt oder das, was die Antwort schon kennt? Ergebnis: Herzlichen Glückwunsch, der gesunde Mittelweg.

Die drei Worte, die die anderen gerne hören: Ich liebe dich.

Die drei Sätze, die du gerne hörst: Ich erkenne dich. Macht aber nichts. Ich mag dich trotzdem ein bisschen.

Es gibt eine App, die zählt, wie oft man den Smartphone-Bildschirm entsperrt. Du denkst: Wichtig ist nicht, wie oft, sondern warum. Dein Grund ist kein guter.

Man durfte nie zu lange „hoch“ bleiben, sonst flog man aus dem Spiel. Man rannte und rannte und fing sich und wurde gefangen und das hat im Grunde nie aufgehört, nur hat jemand die Spielregeln geändert: der Safeplace ist jetzt ein Versteck. Das Spiel geht immer weiter und während du dich gerade noch nach deinem sicheren Ort umsiehst, während du noch „hoch“ schreien willst, packt dich jemand und reißt dich zu Boden, die Hände in der Luft und schreit außer Atem: gewonnen.

Hoch