Zu dir oder zu mir? Keine Ahnung, wir sind doch beide falsch hier

Ich wünsche mir ein Herz, das nicht wahllos brennt. Einmal atmen, einmal denken, einen Moment. Ich wünsche mir, dass mein Toastbrot meine Stimmung zeigt, dass Morgens schon Kaffee da ist, wenn ich wach werde, ich wünsche mir einen Soundtrack von jemand anderem gemacht, Titel: Ich glaube das bist du. und ich schäme mich dann nicht.

Ich wünsche mir, dass keiner vor U-Bahn-Treppen stehenbleibt, einen Bus, der nur mich (pünktlich) zur Arbeit bringt. Ich wünsche mir Essen ohne Medikamente und ohne Zeug, Tiere, die einfach rumlaufen und irgendwann sterben – keine Messer, keine Scherben. Ich wünsche mir, dass jeder die Wahrheit auf „Und, wie geht´s?“ antworten muss, dass keiner mehr besitzt, dass keiner mehr irgendwas muss. Ich wünsche mir, dass Liebe nicht besitzen heißt, dass ein Kuss trotzdem ein Versprechen ist, ich wünsche mir Cafés, die nachts aufhaben, Buchläden, die erst abends aufmachen. Ich wünsche mir mehr Geschrei und mehr Hass, mehr Zorn und mehr Falten, mehr Zweifel, mehr Luftanhalten. Ich wünsche mir, dass keiner mehr Arbeit sagt und das auch so meint, ich wünsche mir, dass niemand irgendwas hasst, ohne es mal geliebt zu haben, ich wünsche mir 8 neue Nachrichten – alle mit dem gleichen Namen. Ich wünsche mir, dass man Angst aus sich heraustanzen kann, dass Schreien gegen Kummer hilft, dass Computer heilen können, Lungen aus Drucker, Drinks ab vier, Zigaretten aus Luft, gesunden Schnaps und nie wieder Nachrichten aus Schmirgelpapier. Ich wünsche mir nie wieder Kopfweh und nie wieder ein Bordsteinherz, nie wieder drücken, nie wieder weglaufen, nie wieder „Zu dir oder zu mir? Keine Ahnung, wir sind doch beide falsch hier.“

Ich wünsche mir, dass Worte helfen, dass sie kleben, dass sie heilen. Ich wünsche mir Küsse und kratzen, ohne Wunden, ohne verlassen. Ich wünsche mir Dunkelheit, wo es immer hell ist, Bahnhöfe, die wie Flughäfen sind. Ich wünsche mir Stille, wo reden nicht hilft, ein Gesicht, keine Alpträume, jemanden immer anrufen können – auch nachts um vier. Ich wünsche mir, dass „man selber sein“ sich immer richtig anfühlt, dass die richtigen Entscheidungen auch zu den richtigen Dingen führen, dass Ehrlichkeit immer belohnt wird, dass es warm ist und weich und geborgen, ich wünsche mir, dass sich das Jetzt richtiger anfühlt als irgendein Konjunktiv, ein Vielleicht, ein Morgen. Ich wünsche mir all das, was man jederzeit schenken kann, ich schicke mich mit, eingepackt in Geschenkpapier, angefangen mit der Frage: „Hey, wie geht es dir?“

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