Scheiß Frühling

Irgendwann mach´ ich das mit diesem Leben. Ich fange mit der Wäsche an und mit der richtigen Temperatur und wenn die Wäsche fertig ist, ziehe ich sie aus der Trommel (ich zerre nicht, ich zerre auf gar keinen Fall daran) und dann hänge ich die Wäsche auf und zwar sofort. Ich vergesse sie nicht, ich ignoriere sie nicht, ich schlafe nicht trotzdem ein. Die Socken zu den Socken, die Höschen, der ganze Rest. Ich hänge auf, was zusammengehört und zwei Tage später falte ich alles sorgsam auf und lege es an die Plätze, an denen die Kleidungskategorien passen. Hier wird nicht gestopft, hier wird sowas von gefaltet und gelegt.

Irgendwann mach´ ich das. Ich mache weiter mit dem Tee-Trinken und höre auf mit Kaffee, Wodka, Wein und Getränken mit Zusatzstoffen. Ich mache mir einen Tee und freue mich darüber und ich denke nicht daran, dass das bloß Aroma und Zeug in heißem Wasser ist und wie alt die Leitung, aus der das Wasser kommt und wer den Wasserkocher saubergemacht hat, wenn nicht ich und wenn ich es tatsächlich nicht war, dann ja wohl keiner – Wasser und Tee, tolle Sache, ganz, ganz tolle Sache.

Irgendwann hör´ ich auf, mir selber Strafzettel zu schreiben: hier wieder zu schnell gewesen, hier wieder zu viel, hier wieder alles aufgehalten, nicht aufgeräumt, nicht sauber gemacht, nicht abgeschminkt, nicht nett gewesen, nicht Danke gesagt, nicht zurückgerufen, schon wieder nicht zurückgerufen, Termin verpasst, nicht angerufen, zu viel getrunken, zu wenig gegessen, wieder nur Mist gegessen, nicht gestaubsaugt, zu spät gekommen, nicht angerufen, nicht auf die Nachricht geantwortet, nur auf die Nachricht geantwortet, weil man sehen kann, dass sie gelesen wurde, Ausrede erfunden, gelogen, nicht zurückgerufen, zu spät im Bett, zu wenig geschlafen, zu weit gegangen, nicht genug Mut gehabt, zu viele Wiederholungen, zu viele Wiederholungen, zu viele Wiederholungen.

Irgendwann fang´ ich an, mir Gedanken über die Zukunft zu machen, aber erstmal rückwärts gewandt, weil man ja so damit anfängt, erstmal gucken nach den Falten, dann die Monate bis zum nächsten Geburtstag zählen und irgendwas mit Angst vor Krebs. Vielleicht schütte ich den Tee dann weg, so ein langweiliges Getränk, sowas will ich nicht und dann ist da diese Pointe, ein schöner Gedanke, den man sich gut erzählen kann: Ist doch alles ok, ist doch super, wie du bist, schriebe sich auch gut: Irgendwann fang ich an, mich selber zu mögen, schöner letzter Satz, Kussi, K.

Ich fang´ an, den Frühling vor dem Fenster zu sehen, bloß eine Änderung des Lichts, ich frage mich, ob man wohl auch umsonst warten kann und an diesen Song, an ein Gefühl, morgen nehme ich den Müll mit runter, nächste Woche den Tannenbaum entsorgen und bis zum Sommer sind es noch ein paar Monate, nur noch ein Moment, in dem ich wieder auf den Winter warten werde und dass der scheiß Frühling dann bald beginnt.