Ein Hoch auf die Liebe und die Verbindlichkeit! Ach nee, doch nicht.

 

Du rast durch die Stadt, du und dein wildes Herz, jeder Augenblick ein Schlag aus deinem inneren, bumm, bumm, bumm, der Rhythmus deines Seins, nichts ist stärker, nichts ist mehr, nichts ist krasser als du selbst.

Gestern jemanden getroffen, letzte Woche auch, bumm, bumm, bumm, so läuft das nun mal. Du lächelst, während du auf dem Fahrrad sitzt und durch die Straßen deiner Stadt fährst, fast jede eine Geschichte, fast jede irgendeine Nacht. Du lächelst, weil du so geil, so frei, so glücklich bist. Aber egal, „hier“ ist eine Zeitrechnung und kein Ort und du musst weiter, weiter, weiter, weil dich das stark oder zumindest das Gegenteil von schwach macht. Du kannst nämlich machen, was du willst, du kannst ja ficken, wen du willst, du kannst ja aufhören, wenn du willst.

Alles ist aus Glas, so fühlt es sich an, alles durchschaubar und banal, du krümmst dich nicht mehr vor Schmerz oder vor Traurigkeit, du krümmst dich nur noch unter Langeweile. Du musst was dagegen unternehmen und sammelst Münder und Küsse und Augenblicke, in denen dein Herz so heftig schlägt, dass es endlich mal weh tut.

Und natürlich findest du manchmal jemanden gut, süß vielleicht oder cool, aber immer wollen die gleich so viel, immer stolpern die über dich, immer ist alles so anstrengend und viel, dabei willst du doch auch nur ein bisschen Liebe oder so. 

Was soll man machen, sagst du dann, was soll man machen. Man kann eben nur verlieren, wenn man kämpft und auf die Scheiße hast du wirklich gar keinen Bock, auf das Drama, auf Liebe, auf irgendwas mit Tränen und Verbindlichkeit. Wieso müssen auch alle immer so viel fühlen, das verstehst du einfach nicht, wieso müssen alle immer so viel wollen und irgendwas sein, du fühlst dich ja auch ein bisschen schlecht dabei, aber was soll man machen, entweder ist „es da“ oder eben nicht.

Am Ende hast du ja auch nichts versprochen, das kann man dir nun echt nicht nachsagen, du bist immer ehrlich, immer direkt, immer ganz transparent und korrekt. Du sagst gleich, dass das mit dir wahrscheinlich nichts wird, weil du eben bist wie du bist, ein bisschen lonely, ein bisschen hungrig, ein bisschen verwirrt. Wenn sie dich retten wollen oder heiraten, wenn sie dich behalten wollen oder zumindest sehen, dann sagst du ganz klipp und klar, dann sagst du… also du sagst schon, irgendwas, vielleicht nicht alles, aber eben, wie es ist. Zumindest so viel, dass du aus dem Schneider bist. Ein Hoch auf die Liebe und die Verbindlichkeit! Ach nee, doch nicht.

Manchmal guckst du dir abends die Bilder an aus der Zeit, als du noch was fühlen konntest, ein bisschen melancholisch, ein bisschen froh, dass du das mal hast – aber nicht mehr musst. Alles ist so viel leichter, wenn man aus dem ganzen Komplizierten das Einfachste von allem macht: Sich unberührbar und stark, sich so erhaben, so egal. Am Ende schläfst du ein, beide Hände zwischen den Beinen, weil es da wärmer ist und du nun mal einfach immer so schrecklich frierst wenn du alleine bist.

 

 

(Bild by Tim Marshall via Unspalsh)